Geschichten, Landleben, Bücher, Hunde

Geschichten, Landleben, Bücher, Hunde

Chicco – Ganz schön Zen oder Wie ein Hund Leben verändert

Chicco  – Ganz schön Zen oder Wie ein Hund Leben verändert

IMG_2890Bevor Chicco in mein Leben trat, wurde ich von überraschend vielen Leuten in meinem Umfeld vor der Anschaffung eines Hundes gewarnt. Von Kopfschütteln über ironische Kommentare konnte ich dabei in meinem Umfeld wirklich jede typisch deutsch-kleingeistige Geste der subtilen Verachtung abgrasen. „Dir ist schon klar, dass du mit dem bei Wind und Wetter rausmusst?“ (Ich liebe Sätze, die mit „Dir ist schon klar…“ anfangen. Nicht.) „Wo soll der arme Hund denn hin wenn du unterwegs bist?“ (Der Hund war schon arm dran bevor er überhaupt bei mir eingezogen ist), „Ein Streuner?!Krank? Na dann viel Spaß! Warum denn einen Hund aus dem Ausland. Bei uns gibt es genug Hunde.“ Aha.

So blöd und überflüssig ich manche dieser Kommentare auch fand und als Schwarzmalerei abgetan habe, am Ende des Tages haben sie mich doch verunsichert. Sei es weil es sich immer anhörte als wären Hunde ein einziges Ärgernis das man jahrelang bereut, oder weil diese Aussagen mir ja auch irgendwie unterstellten ich sei naiv in meinem Wunsch nach einem Hund.

Klar, Hunde sind (auch) Arbeit, sie kosten ganz schön viel und machen Dreck. Man muss sie erziehen, manchmal ganz schön viel Geduld mit ihnen (und sich selbst) haben und darf sich nicht schämen mit einem Beutel voller Scheiße und dreckigen Klamotten durch die Gegend zu laufen und nach einem Mülleimer zu suchen.
Fakt ist: Wer sich einen Hund anschafft, muss sich vorher ausführlich informieren und sich klar machen was das bedeutet. So eine Fellnase stellt den Alltag dauerhaft auf den Kopf und es gibt ein paar Aspekte daran, die nicht so viel Spaß machen.

Aber darum soll es hier nicht gehen. Die „Nachteile“ eines Leben mit tierischem Begleiter sind eher technischer Natur (Geld, Zeit etc.) und im Internet zu genüge zu finden und aufgelistet.  Nun ja, Kinder kosten auch Zeit und Geld – und ich liebe es ein Kind in meinem Haushalt zu haben. Als Nachteil empfinde ich es nicht.

Hunde bringen einen zum Lachen

1.1Meine Hunde sind manchmal meistens völlig vertrottelt und jeder von ihnen könnte vermutlich einen eigenen youtube-Kanal füllen. Sie bleiben mit Stock im Maul im Türrahmen hängen, legen grandiose Gesichtsbremsen in schlammigen Feldern hin, quetschen ihre Schnauze durch jede noch so enge Lücke und ihr Blick (vor allem der von Dalma) , wenn sie etwas nicht so ganz verstehen wollen ist einfach unbezahlbar. Wer sich mit einem Hund langweilen möchte, muss ihn schon im Keller einschließen. Und das kann ich generell nicht empfehlen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hunde erinnern uns daran, dass Reden nur silber ist (oder eher Blech)

Schonmal mit jIMG_0858emandem kommuniziert, der deine (Wort-)Sprache nicht versteht und schon gar nicht spricht? Mit einem Hund steht man jeden Tag vor dieser Aufgabe. Hunde beherrschen vielleicht nicht unseren Wortschatz, dafür sprechen sie eine viel ehrlichere Sprache in Perfektion: Sie kommunizieren mit Blicken, Gesten, teilweise auch sehr interessanten Walgesängen (meiner zumindest) und lassen sich schon gar nicht von irgendwem einen vom Pferd erzählen. Soll heißen: Die Fähigkeit sich selbst zu betrügen oder leere Versprechungen zu machen bleibt wohl dem (manchmal ganz schön doofen) Menschen vorbehalten. Hunde sind immer im Hier und Jetzt, und sie bemessen ihr Umfeld an Taten und Emotionen, nicht an Worten. In dieser viel direkteren Kommunikation sind sie uns meilenweit voraus und fangen jede noch so kleine Stimmung auf. Auch wenn es manchmal schwierig erscheint einem Hund zu vermitteln, was man sonst in Worte fassen würde, mit der Zeit wird es immer einfacher. Und auch das ständige Lesen der Hundesprache macht einen zu einem aufmerksameren Beobachter und sorgt letztendlich für eine viel unmittelbarere Verbindung zum Hund, als es unser Geplapper jemals könnte.

Und wenn er, wie hier auf dem Bild, seine alte Hundewiese betrachtet, ganz in sich versunken, dann weiß ich, das er hier sieht, wie er mit so vielen Hunden tobte, in den Bach hüpfte, mit mir Suchspiele veranstaltete, hach ja, das ganze Programm eben.

 

 

 

 

Hunde können uns einiges beibringen

Über diesen Punkt könnte ich vermutlich ein Buch schreiben. Ähm, was ich ja gerade tue. Es passiert nicht selten, dass ich meinen Hund beobachte und dabei etwas neidisch werde: Dieser kleine große Wollknäuel ist so unbeschwert,  voller Lebensfreude und nie nachtragend.
IMG_0890Vor ein paar Wochen habe ich zu genau diesem Phänomen im Internet eine Zeichnung gesehen, die mich ganz schön zum schmunzeln gebracht hat. Die Überschrift lautete: „Why your dog is happier than you.“, darauf zu sehen Mensch und Hund bei einem Spaziergang in einer Landschaft, beide mit einer Gedankenblase. Die Gedankenblase des Zweibeiners ist voll mit allem möglichen Zeugs: Sorgen, Ängsten, Wünschen, Zukunft und Vergangenheit. Und in der des Hundes ist nur eins zu sehen: Das gleiche Bild auf das man schaut. Hund mit Mensch in Landschaft. Ende. Mehr als das was gerade ist, ist in der Gedankenblase des Vierbeiners nicht zu finden.
Bumm, dieses Bild ist hängen geblieben.
Man stelle sich doch mal vor, der moderne Mensch müht sich in Meditationskursen und Achtsamkeitsgruppen, in Ratgeberbüchern und philosophischen Ausschweifungen ewig ab, um in Zukunft(!) irgendwann endlich bei diesem sagenumwobenen Glücklichsein anzukommen. Und da kommt mein völlig verpeilter Fluffy von Hund um die Ecke und was macht er? Er IST es einfach. Hier und jetzt. Ganz schön Zen mein Hund, oder? Okay, nicht nur meiner. 

 

Vermutlich werde ich nie so in mir ruhen wie mein Hund es tut. Aber ich kann auch so ganz ehrlich sagen: Ich liebe meinen Hund und würde ihn nie wieder hergeben.



Kommentar verfassen

Social media & sharing icons powered by UltimatelySocial
%d Bloggern gefällt das: